Wo steht der Bezirk Darmstadt im Aktivenbereich leistungsmäßig in Deutschland?

Mit dem Abstieg des TSV Pfungstadt aus der Oberliga in der letzten Saison, ist für die Männer im Bezirk Darmstadt die Landesliga die höchste Spielklasse. Andererseits sind die Frauen des Bezirks in der 2. Bundesliga und der 3. Liga je einmal und in der Oberliga gar dreimal vertreten. Was davon ist „normal“, zu viel oder zu wenig und was wäre rein rechnerisch zu erwarten?
Die Rechnung ist relativ einfach, wenn man die notwendigen Daten hat. 2010 gab es nach Informationen des DOSB in Deutschland 4712 Handballabteilungen. Die u.U. drei Abteilungen einer HSG werden — wie auch im HHV — als eine gerechnet. Im HHV gibt es 362 und im Bezirk Darmstadt 47 Handballvereine. Die Vereine des HHV repräsentieren somit 7,7 % und die des Bezirks Darmstadt ziemlich genau 1,0 % der Vereine im DHB.
Nimmt man nun diese Anteile und die bekannte Anzahl an Plätzen in den jeweiligen Ligen oberhalb der Bezirksoberligen, so kann man ein statistisches „Soll“ errechnen. Bei den Männern beispielsweise sollte der Bezirk Darmstadt mit 5 bis 6 Mannschaften in der Landesliga Süd vertreten sein. Mit tatsächlich 6 Vereinen (Lampertheim, SKG Roßdorf, SKG Bonsweiher, TV Asbach, TSV Pfungstadt und TuS Griesheim) wird diese rechnerische Vorgabe noch gut getroffen. Danach sieht es aber schlecht aus — es gibt keine Vereine aus unserem Bezirk in den Ligen darüber. In der Oberliga sollten es knapp zwei Vereine aus dem Bezirk Darmstadt sein, genau 1,8. Die statistischen Werte für die 3. Liga (0,6), 2. Bundesliga (0,4) und 1. Liga (0,2) liegen deutlich unter 1, zusammen aber oberhalb von 1. Das heißt nichts anderes, als dass in einer dieser Ligen noch ein Verein aus unserem Bezirk kommen sollte — ist: Null. Wie so etwas in einer ausgewiesenen Handballhochburg aussehen kann, zeigt der Vergleich mit unserem Nachbarbezirk Odenwald/Spessart. Hier sind bei den Männern alle Ligen oberhalb der Landesliga überproportional stark besetzt.
Wer sich im Handball auskennt weiß, dass der Bezirk Darmstadt bei den Männern früher wesentlich erfolgreicher war. Beispielsweise hatten Crumstadt, Braunshardt, Heppenheim und Griesheim Handball-Traditionen und Mannschaften, die „oben“ mitspielten. Diese Zeiten sind vorbei und auch mittelfristig ist leider keine Besserung der gegenwärtigen Situation in Sicht. Kein Verein im Bezirk hat gegenwärtig das Potenzial, das Umfeld und das Geld, um sich in einer der drei höchsten deutschen Spielklassen zu etablieren.

Aber wie sieht es bei den Frauen aus? Deutlich besser. Der Bezirk Darmstadt ist eine kleine Hochburg im Frauenhandball. Drei Oberligisten bei statistisch 1,7 und zwei Mannschaften im Bereich des DHB, wo rechnerisch nur eine zu erwarten wäre. Da zeigt es sich auch, dass der Bezirk Odenwald/Spessart eine Männer-Handball-Hochburg ist.

Datenbasis

Anzahl Vereine im DHB4712
Anzahl Vereine im HHV362
Anzahl Vereine im Bez. DA47
Anzahl Vereine im Bez. Odw/Sp42
 DarmstadtOdw/Sp
Anteil des Bezirks am DHB (nach Vereinen)1,00 %0,89 %
Anteil des Bezirks am HHV (nach Vereinen)12,98 %11,60 %
Anteil des HHV am DHB (nach Vereinen)7,68 %

Männer

LigaVereineDA “Soll”DA IstOdw/Sp “Soll”Odw/Sp Ist
1. Bundesliga180,1800,161
2. Bundesliga360,3600,323
3. Bundesliga610,6100,541
Oberliga Hessen141,8201,624
Landesligen Hessen425,4564,873

Frauen

LigaVereineDA “Soll”DA IstOdw/Sp “Soll”Odw/Sp Ist
1. Bundesliga120,1200,110
2. Bundesliga240,2410,210
3. Bundesliga550,5510,491
Oberliga Hessen131,6931,510
Landesligen Hessen374,8034,293