Sinnvolles Training auf kleinem Raum

Autor: Jürgen Hofmann
Referat im Rahmen einer Trainerfortbildungsmaßnahme

Das Problem eine viel zu kleine Trainingsgelegenheit für die Jugendmannschaften zu besitzen, haben einige Trainer immer wieder. Dies resultiert einerseits aus der Tatsache, dass keine geeignetere Trainingsgelegenheit in der Nähe ist, oder die Vereinsverantwortlichen immer noch nicht begriffen haben, welchen Stellenwert der Jugendarbet innerhalb eines Vereins eingeräumt werden sollte. Zumindest einmal pro Woche sollte eine Mannschaft über die ganze Halle verfügen (und sei es nur 30 Minuten!).

Besteht trotzdem keine Möglichkeit hier Abhilfe zu schaffen, so sollte man nicht den Kopf hängen lassen, sondern sich mit Phantasie und Ideenreichtum zu helfen wissen. Einige Anregungen soll dieses Skript geben, welches von einer offensiven Abwehrformation im Jugendbereich, bis zumindest der C-Jugend, ausgeht (DHB-Richtlinien).

Innerhalb des zur Verfügung stehenden Raumes sollten trotzdem alle technisch-taktischen Elemente des Handballspiels trainiert werden. Dabei ist ganz wichtig das Ziel der jeweiligen Übungs- oder Spielform im Auge zu haben, d.h. ich muß mich vor dem Training mit den örtlichen und materiellen Gegebenheiten sowie dem Ziel der Trainingseinheit so auseinandersetzen, daß ich das erreiche, was ich mir vorgenommen habe.

Je kleiner die Halle ist in der ich trainiere, desto besser muß ich das Training vorbereiten - insbesondere bei Hallen, die ein reguläres Spiel nicht zulassen. Der Trainer muß sich Übungen überlegen, die den gleichen Trainingseffekt besitzen wie Übungen, die über ein reguläres Spielfeld gemacht werden.

Auch in einer kleinen Trainingshalle sind sämtliche individualtechnische Anforderungen, Grundbaustein des Kinder- und Jugendtrainings, erlernbar. Wichtig dabei ist, kein Erwachsenentraining zu kopieren, sondern vielmehr die technische Ausbildung in den Mittelpunkt zu stellen. Dies erfordert einerseits die notwendige Sachkenntnis, richtige Bewegungen von falschen zu unterscheiden. Noch viel wichtiger ist es jedoch, Kindern und Jugendlichen Korrekturen zu geben, die sie weiterbringen.

Das Skript ist sicherlich nicht vollständig und sollte nur als Anregung dienen. Weitere Übungen können aus den vorgestellten Standardsituationen abgeleitet werden.

Dabei teilt sich das Skript in 5 Bereiche auf:

  1. Übungen zum Aufwärmen
  2. Verbesserung der individuellen Abwehrarbeit
  3. Wurftraining
  4. Tempogegenstoßtraining
  5. Spielnahe Übungsformen

Praxisteil

1. Übungen zum Aufwärmen

Übung

Ziel: Allgemeines Aufwärmen, Verbesserung der Beinarbeit und Reaktionsschulung
Organisation: Paarweises Üben

Herren-Diener-Lauf
Die Spieler laufen paarweise mit beliebigen Laufvariationen (vor-, rück- und seitwärts) durch die Halle. Der Partner muß immer auf der rechten oder linken Seite bleiben. Anschließend Partnerwechsel. Danach Hinzunahme von Täuschungen, Drehungen und Richtungswechsel.
Erweiterung: Beide Spieler üben mit Ball.

Satellit
Die Spieler laufen paarweise mit beliebigen Laufvariationen durch die Halle. Einer der Partner prellt einen Ball und gibt die Richtung vor, der andere Partner umkreist immer seinen Partner mit schnellen Schritten. Anschließend Partnerwechsel.
Erweiterung: Beide Spieler üben mit Ball.

Schattenlaufen
Die Spieler laufen paarweise mit beliebigen Laufvariationen durch die Halle. Einer der Partner läuft voraus und gibt die Richtung vor, der andere Partner läuft hinter seinem Partner her und versucht alle Bewegungen zu imitieren. Anschließend Partnerwechsel.
Während der Übung immer wieder Vorschläge für Laufvariationen machen!

Spielform: Ziel: Schulung der Lauftechniken und des Armeinsatzes
Organisation: Teilnehmer bilden eine Gruppe auf einem engerem Raum

Verkehrsspiel (“Bärentanz”)
Der Trainer “regelt den Verkehr” mit Handzeichen. Spieler bewegen sich ausschließlich mit Sprints vor- und rückwärts und sinken diagonal zurück.
Es wird zwanzig Sekunden lang geübt (mehrere Durchgänge nach aktiver Pause).

Erweiterung:

  • Trainer gibt durch die eigene Fußstellung die zu bekämpfende Wurfarmseite vor.
  • Auf Pfiff des Trainers Strecksprung, bei zwei Pfiffen abschlagen aller vier Raumecken
  • Versuchen mit ganz schnellen und kleinen Schritten zu laufen (sogenanntes squivern)

Stets auf die korrekte Ausführung der technischen Fertigkeiten achten!

Übung

Ziel: Spieler sollen bereits ihnen bekannte Übungen erklären und durchführen.
Organisation: Die Übungsgruppe sollte nicht zu weit voneinander entfernt stehen.

Dehnübungen
Die Dehnzeiten betragen acht Sekunden; es sollten Doppeldehnungen durchgeführt werden (jede Muskelgruppe nach kurzer Pause ein zweites Mal). Die Spieler schlagen Übungen vor (möglichst bei den Unterschenkeln beginnend).
Folgende Schwerpunkte sollten dabei eingehalten werden:

  • Wade und Achillessehne
  • Oberschenkel (Vorderseite mit Hüftbeuger und Rückseite mit Gesäß)
  • Adduktoren
  • Rumpf
  • Schulter UND Brustbereich
  • Arme

Hilfestellungen für die Ausführung geben und Fehler bei der Ausführung verbessern!

2. Verbesserung der individuellen Abwehrarbeit

Spielform

Ziele: Täuschungsbewegungen, Abwehrverhalten werden geübt; Körperkontakt wird gesucht; Herausarbeiten von Stellungs- und Bewegungsgrundsätzen
Organisation: Aufteilung in zwei Mannschaften

Schwanzfangen
Jeder Spieler steckt sich ein Seil hinten in die Hose. Auf ein Kommando versuchen die Spieler so viel Seile wie möglich zu erhaschen. Hat kein Spieler mehr ein Seil, wird der Gewinner durch Auszählen der erhaschten Seile festgestellt.

Variation:
Nachdem einem Spieler das Seil entnommen wurde Sprint in alle vier Ecken des Raumes. Erst danach erneutes Eingreifen in das Geschehen.
Kann auch mit Wäscheklammern gemacht werden, die auf den Rücken geklemmt werden müssen.
Dabei gibt es einerseits die Möglichkeit so lange weiterzuspielen, bis keiner mehr eine Klammer auf dem Rücken hat, oder man gibt eine Zeit vor; dann müssen aber erhaschte Klammern wieder auf den Rücken geklemmt werden.

Spielform

Ziel: Aggressivität, Dosierung des Krafteinsatzes; Herausarbeiten von Stellungs- und Bewegungsgrundsätzen
Organisation: Spieler stehen paarweise an einer Linie

Zieh- und Schiebekämpfe im Stand
A versucht B über die Linie zu ziehen bzw. zu schieben

Beinfechten
A und B versuchen, sich gegenseitig an den Waden, Oberschenkeln oder dem Po abzuschlagen.

Handabschlagen
A und B befinden sich im Liegestütz und versuchen, auf die Hände des Partners zu schlagen.
Weitere kleine Kampfspiele in der 2er Gruppe
Es sollen möglichst viele Übungen mit geringer Übungsdauer durchgeführt werden.

Ballherausschlagen
1. Zwei Spieler gegenüber, Abstand ca. 2m. A läuft über die Hallenlängsseite vorwärts, B rückwärts. B hält 2 Bälle hinter dem Rücken. A muß sofort den Ball herausspielen, wenn B einen Ball hinter dem Rücken hervorholt. A spielt den Ball kurz heraus, sprintet ca. 5m und spielt dann den Ball zu B zurück.

Erweiterung: B täuscht und zeigt nur kurz einen Ball. A muß jetzt aus dem Vorwärtslauf immer schnell in Richtung Ball reagieren.

2. Wie zuvor, B hält nun im Rückwärtslaufen die Bälle seitwärts hüfthoch. Lupft B einen Ball kurz hoch, muß A reagieren/ ihn herausspielen. B kann auch täuschen.

Erweiterungen:

  • B tippt jetzt einen Ball beim Rückwärtslauf auf den Boden
  • Wie zuvor, A läuft jetzt rückwärts, B vorwärts (noch abwehrspezifischer)
  • Übertriebene Härte ist stets zu unterbinden!

Übung

Ziel: Schulung der Wahrnehmung von Täuschungen
Organisation: Es werden 2er Gruppen gebildet

Hütchentor ohne Ball verteidigen
Die zwei Hütchen stehen etwa zwei bis drei Meter auseinander. A muß verhindern, daß B ein Hütchen berührt.
Erweiterung: Jeder Spieler verteidigt ein Hütchen

Den Abstand zwischen den Hütchen individuell für jede Gruppe verändern!

Übung

Ziel: Herausprellen des Balles schulen sowie spielerisches Moment berücksichtigen
Organisation: Paarweises Üben mit einem Ball im begrenzten Raum

1 gegen 1 Prellen
A prellt und B muß den Ball berühren.

Erweiterung: Es darf nur mit der schwachen Hand gespielt werden.

Auf regelkonformes Verhalten der Abwehr beim Abschirmen des Balles achten!

Übung

Ziel: Verbesserung der Reaktions- und Aktionsschnelligkeit
Organisation: Paarweises Üben ohne Ball

Durchbruch in der Gasse oder Zone
In einem Streifen werden Aktionen 1-gegen-1 ohne Ball durchgeführt (bspweise zwischen dem 6- und 9-Meter-Kreis oder dem Korridor zwischen verschiedenen Linien).
Variation: Übung mit Ball
Erweiterungen:

  • Abwehrspieler ohne Einsatz der Hände
  • Angreifer muß mit dem Ball die Brust des Abwehrspielers berühren

Organisatorischer Hinweis:

  • Angreifer werden immer wieder zu neuen Abwehrspielern
  • Nutzung des ganzen Spielfeldes, da lange Abwehrspielerreihen entstehen. Dann ist die Übung effektiver und die gesamte Trainingsgruppe ist in Bewegung.

3. Wurftraining

Übung

Ziel: Verbesserung der Wurfgenauigkeit, Konzentrationsübung
Organisation: Spieler stellen sich am 6m-Kreis mit jeweils einem Ball auf, TW im Tor, einmal darf getäuscht werden

Von links und rechts abzählend werden Paare gebildet (links 1 mit rechts 1 usw.). Der linke Schütze kann jetzt zum Wurf ansetzen aber nicht werfen; danach muß der TW auf die andere Seite, wo der rechte Schütze antäuschen oder werfen kann. Da jeder nur einmal täuschen darf, muß die rechte Seite nun werfen usw. Das Spiel kann auch ohne Paar-Bildung gemacht werden, erfordert aber dann auch wesentlich mehr Konzentration.

Einwerfen der Torhüter
RR und RL werden besetzt. Jeder Spieler bis auf den ersten Spieler haben einen Ball. Paß von der entgegengesetzten Rückraumposition zu dem Spieler der kein Ball hat, der dann wirft usw. Dabei sind verschiedene Aufgabenstellungen, Wurfstellungen etc. vorzugeben.
Erweiterung: Der Spieler ohne Ball sollte eine Lauftäuschung außen/innen nach dem Ballerhalt ausführen.

Wandtorball
2 Zweiergruppen werfen mit je einem Ball von der Freiwurflinie via Wand in ein gegen die Wand gedrehtes Handballtor. Welches Paar hat die meisten Treffer nach zwei Minuten?

Wurf gegen die Wand
Im 6m-Abstand zur Hallenwand ist eine Wurflinie gezogen, hinter der die Staffeln in Reihe stehen. Der erste Spieler wirft den Ball gegen die Wand und schließt sich hinter seiner Gruppe an. Der zweite fängt den von der Wand zurückprallenden Ball auf, wirft ihn aus seiner Position an der Linie erneut gegen die Wand.

4. Tempogegenstoßtraining

Übung

Ziel: Weite Pässe in den Lauf geben, Ball im vollen Sprint fangen
Organisation: TW mit Ballkiste in eine Ecke. Spieler ohne Ball in die andere Ecke an der Querseite.

Tempogegenstoßübung
Pässe des TW aus dem Eck auf sprintenden Mitspieler, Lauf um ein Hütchen und Wurf von der Außenposition. Eventuell noch mit Gegenspieler ab dem Hütchen.

Übung

Ziel: Schneller Abschluß nach Ballerhalt
Organisation: Zwei Mannschaften sitzen nebeneinander an der entfernten Seite vom Tor.

Kommandogegenstoß
Auf Kommando ist entweder Mannschaft A oder B im Angriff. Diese muß nun versuchen mit höchstens 3/4/5 Abspielen ohne/mit Prellen ein Tor zu erzielen. Dabei kann man vorher vereinbaren, daß jeder Mann ganz und gar für seinen Gegenspieler verantwortlich ist. Auf Regeleinhaltung ist zu achten!

5. Spielnahe Übungsformen

Spiel auf Kastentore
Dabei wird auf 2/4 Kastentore nach Handballregeln gespielt. Als Variation gilt: die Anzahl der Anspiele, mit/ohne Prellen, durch Vorderseite/durch Vorder- und Rückseite, bei gelungenem Tempogegenstoß (2 Abspiele) nochmal Ballbesitz, wenn der Ballhalter berührt wird Ballwechsel (sehr intensiv!).

6:6 mit abgeklebtem Torraum
Dabei wird das Tor entweder an der Hallenwand abgeklebt oder aber möglichst dicht an die Wand gestellt. dann wird der 6m-Kreis zum 9m-Kreis. Ein neuer 6m-Kreis muß abgeklebt werden.

Parteiball
Erweiterung: Mann- oder Raumdeckung
4:4 auf Matten

Matten werden an die Wand gestellt und dienen als Tore. Auch hier ist eine Linie abzukleben.

Linienball (Rugby mit Handballregeln)

Schlappentennis
Spiel mit Tennisball auf zwei Kasteninnenteile. Dabei darf der Ball nur mit einem Schuh, den man in der Hand hat, gespielt werden.

Variation: Hinzunahme von mehreren Tennisbällen
Die Tore werden so hingestellt, daß man von der Vorder- und Rückseite ein Tor erzielen kann

Spielen auf zwei Tore pro Mannschaft

Literatur

  • WOJCIECH, Jans (1986): Spiele für das Handballtraining. Sportverlag, Berlin.
  • BUCHER, Walter (Hrsg.)(1982): 1004 Spiel- und Übungsformen im Handball. Hofmann, Schorndorf.
  • SPÄTE, SCHUBERT, ROTH, EMRICH, BREDEMEIER, OPPERMANN (1990, 1990, 1992): Handball - Handbuch 1–3. Philippka, Münster.
  • WALTER, Manfred (1991): Spiel und Sport an jedem Ort. Hofmann, Schorndorf.
  • DÖBLER, Erika und Hugo (1992): Kleine Spiele. Sportverlag, Berlin